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WunderAsien 2006
Zuhause in Deutschland liegt der Schnee, da wird es hoechste Zeit
das Motorrad in waermere Gefilde zu bringen.
„Träume nicht- fahre“!
Nachdem ich die Wunderlich BMW aus dem Flughafen
Changi in Singapur befreit habe, bin ich nun am fahren! Die BMW R 1200
GS wird mich die kommenden fast 17.000 Kilometer begleiten. Es wird eine
Traumreise sein durch unsere Welt mit allen nur denkbar, möglichen
Facetten. Die vielen Wunderlich Zubehoerteile machen aus der BMW ein
Traum auf 2 Raedern. „Aber wird sie auch das grosse Abenteuer
ueberstehen“?
Das Motorrad ist voll gepackt wie ein Lastesel. Kleidung fuer Sommer und
Winter, das Gepaeck von meiner Freundin Jutta, eine komplette Trekking
und Gleitschirmausruestung alles muss mit! Ich weiss nicht wie aber
irgendwie finden wir dann auch noch Platz auf dem Bike. Das bedeutet die
BMW ist an der Belastungsgrenze. Sie sieht aus wie ein LKW.
Trotzdem laesst sich die „Dicke“ recht gut fahren. Die Strassen im
Stadtstaat Singapur sind in einem perfekten Zustand. Nur Kurven stellen
ein kleines Problem dar. Die BMW ist etwas tiefer gelegt was die
Schräglagen Freiheit ein bisschen verringert.
Das Wilbers Fahrwerk ist hier noch nicht gefordert.
Nach 4 Tagen verlassen wir bereits Singapur. Es
faellt uns nicht leicht, denn die Stadt ist sauber die Menschen
froehlich und freundlich und die Naechte am Strand in der Naehe des
Motorrades sind sehr angenehm. Das feuchte, warme Klima laesst uns
schnell das kalte Deutschland vergessen und stimmt auf Urlaub und
Abenteuer ein. Nach dem Grenzuebertritt nach Malaysia, welcher kein
Problem ist, fahren wir auf der Autobahn nach Kuala Lumpur.
Insgesamt haben wir 16 Tage Zeit um bis nach Bangkok zu kommen.
Eigentlich ausreichend Zeit, denn es sind ja nur 2500 Kilometer - aber
es gibt noch so vieles zu entdecken.
Das erste Land der Reise macht Lust auf mehr Asien!
Malaysia beeindruckte von Anfang an. Ein Land mit Wildnis, Strand und
auch dem Hochland wo Tee angebaut wird. Gerade das Hochland, Cameron
Highlands, hat es uns angetan. Da lacht das Motorradfahrer Herz. Die
Kurvenhatz beginnt. Nur schade, dass ich durch die wahnsinns Zuladung
die BMW nicht in richtige Schraeglage bringen kann. Das Schleifen, des
Hauptstaenders, ermahnt mich zu gezaehmter Fahrweise. Nach der
Besichtigung einer Teeplantage, ein paar Tassen Tee und mehreren Fotos
von Einheimischen mit dem Motorrad fahren wir weiter in Richtung
Thailand. Das Zelt macht uns unabhaengig vom weltlichen Luxus. Und so
koennen wir naechtigen wo immer wir muede sind und die BMW stehen
bleiben will.
Die zweite Grenze passieren wir in der Nacht. Die Ausweise und das
Carnet de Passage sind „ruck zuck“ abgestempelt. Eines der schoensten
und bekanntesten Laender Asiens steht uns offen, Thailand.
Das Land des Laechelns kommt erst gar nicht so freundlich
rueber. Es regnet in Stroemen und man sieht die Hand kaum vor den Augen.
Die Rukka Motorradkleidung ist zwar perfekt in Passform und
Funktionalitaet aber das Wasser findet trotzdem einen Weg um unangenehm
zu werden zumal wir in Malaysia kraeftig aus der Regentasse des „Monsun
Gottes“ eine mitbekommen haben.
Der BMW scheint der sinnflutartige Regen jedoch
nichts auszumachen. Sie faehrt und faehrt, ohne Ruckeln und Murren.
Bereits am naechsten Tag erreichen wir Phuket. Letztes Jahr um diese
Zeit war Phuket eine Ruine, es erfreut sich heute wieder am Tourismus.
Auf der Strasse lernen wir Peab einen Biker kennen, welcher uns die
kommenden 2 Tage begleitet. Er faehrt eine Honda VFR 400 und gehoert dem
Motorradclub „Krabi Riders South Thailand“ an. Auch auf der Strasse
werden wir von Sascha angesprochen, der uns auch ein kleines Haus fuer
die Nacht besorgt.
Das Motorrad parkt direkt neben dem Schlafzimmer Fenster, ich fuehle
mich sauwohl.
Nach zwei Tagen in Phuket satteln wir die Wunderlich BMW und queren das
Land um zur Insel Ko Phangan
zu gelangen. Wasser von oben hatten wir nun zur Genüge erlebt.
Nun ist es an der Zeit Wasser aus einer anderen Perspektive zu
betrachten.
Ko Phangan ist nicht nur ein Paradies fuer Taucher
sondern hat mitunter die schoensten Straende Thailands.
Kaum verlassen wir um 22:00 Uhr die Faehre kommen wir in den Genuss die
ersten Off Road Erfahrungen zu sammeln. Starke Regenfaelle haben Teile
der Strasse weggespuelt und die BMW uebt den „Schlangentanz“. Sie
schwaenzelt auf dem glitschigen roten Sand und hat ueberhaupt keine Lust
in der Spur zu bleiben. Mit viel Gefuehl halte ich sie auf dem Weg.
Nachdem wir die Nacht in einem kleinen Haus am Strand verbringen,
beginnt der naechste Tag mit dem Abenteuer- Tauchen. Die Unterwasserwelt
um Ko Phangan ist einzigartig! Mit einem kleinen Boot fahre ich mit
weiteren Tauchtouristen zum Sail Rock. Der Tag ist erfüllt von zwei
Tauchgängen und geht viel zu schnell vorueber. Ueberhaupt scheint die
Zeit hier in Asien mit einem „Turbo“ ausgestattet zu sein. Nach zwei
Tagen verlassen wir die Insel wieder. Die Faehre bringt die Wunderlich
BMW sicher an Land. Die durchschnittliche, gefahrene Strecke, am Tag,
liegt bei 400 Kilometer. Das ist fuer die Motorrad unerfahrene Jutta und
mich gar kein Problem! Nicht nur das die BMW hervorragend gefedert ist,
sie ist auch sehr bequem. Alle Verbesserungen, welche Wunderlich, and
der Maschine verwirklicht hat sind sinnvoll.
Auf dem Weg nach Bangkok kommen wir an dem Flugrevier „Puchong“ vorbei.
Hier habe ich nun die Moeglichkeit mit dem Gleitschirm in die Luft zu
gehen und Asien von der Vogelperspektive aus zu betrachten.
Es ist Montag der 09.01.06 als wir Bangkok erreichen. Während Jutta sich
dem Sightseeing widmet, verwende ich meine Zeit um die BMW per
Luftfracht nach Kathmandu zu bekommen. Ich habe nur drei Tage Zeit einen
Agenten, einen Verschlag und ein Flugzeug fuer diese Aktion zu finden.
Es gelingt, tagsueber demontiere ich die BMW und packe sie in einen
originalen, deutschen BMW Frachtkarton, nachts bringt sie der Agent zum
Flughafen. Da es Probleme mit dem Benzin im Fahrzeug gibt und ich den
Tank ausbauen muss ist das ganze Prozedere erst um 1:00 Uhr morgens
vorueber. Es gibt kein Aircargo Flugzeug nach Kathmandu und so ist der
Inspektor von Thai Airways auf optimale Sicherheit im Passagier Flugzeug
bedacht.
Das bedeutet: es darf absolut kein Benzin und Oel
im Frachtraum transportiert werden.
Um 10:30 Uhr, also ein paar Stunden spaeter, geht
mein Flieger. Es ist Zeit mich von Jutta zu verabschieden und den
anstrengenden Teil der Reise anzutreten! Es liegen noch fast 15.000
Kilometer und 13 Laender vor mir.
Puenktlich hebt die Boing ab um nach 3 Stunden Flug in Kathmandu, der
Hauptstadt Nepals zu landen. Dort läuft alles wie geschmiert. Bereits am
Abend habe ich die Wunderlich wieder zusammengebaut und mit Benzin
gefüllt. Nach nur einem Startversuch läuft sie wie ein Uhrwerk. „Nepal
ist mein Land hier komme ich sportlich voll auf meine Kosten“. Die
Strassen sind schwierig zu befahren mit Schlagloecher gespickt und mit
Kurven gewuerzt.
Meine Ziele in dem Himalaya Land sind mitunter: Paragleiten und
Trekking. Diese erreiche ich durch eine 6 Tage dauernde Trekking Tour
auf 4200 m, dem Anapurna Base Camp und der Teilnahme bei der 7 offenen,
nepalesischen Paragleiter Meisterschaft. Statt der ursprünglich
geplanten 7 Tage verbringe ich 11 Tage in dem faszinierenden Land.
Obwohl Nepal kurz vor einem Buergerkrieg steht und es nachts eine
Ausgangsperre gibt fühle ich mich recht wohl. Es ist zwar etwas
befremdend nachts alleine mit der BMW und dem Militär auf der Strasse zu
sein, aber als Tourist hat man hier doch Freiheiten. Nun sind es noch
fast 11.000 Kilometer und nur 12 Tage welche vor mir liegen.
Die Fahrt von Nepal nach Indien kostet erst einmal Zeit, da die
politische Situation eskaliert. Die Buerger haben Strassensperren
errichtet. Doch irgendwie gelingt es dem Motorrad und mir an den
Lastern, welche die Straße versperren, vorbei zu kommen. Die
Bevoelkerung ist dabei sehr hilfsbereit.
Es ist bereits 8:00 Uhr nachts als ich die Grenze passiere. Auch hier
keine Probleme, die Turban bekleideten Inder stempeln das Carnet und ich
bin in Indien.
In Indien herrscht das volle Verkehrschaos! Die
Strassen sind ueber voll, es stellt sich mir ein Mix von heiligen Kühen,
Menschen, Fahrräder, Rikschas, Autos und vielen kleinen Motorrädern. Um
vorwaerts zu kommen schraube ich die Geschwindigkeit auf 140 km/h hoch.
Ich muss höllisch aufpassen denn ein Unfall würde meinen Zeitplan
vollkommen aus der Bahn werfen. Das „Highlight“ in Indien ist der Besuch
des Taj Mahal in Agra. Nach einen touristischen Vormittag dort fahre ich
weiter nach Pakistan. Der Grenzuebertritt hier ist nur Touristen oder
Buerger ueber 60 Jahren gestattet. Deshalb ist es sehr ruhig an der
Grenze.
Hier im Kaschmirgebiet ist das Verhaeltniss der Nachbarn zueinander
immer noch sehr angespannt. Keine Spur von Frieden.
Bei der BMW wird lediglich die Fahrgestell- und
Motornummer kontrolliert und nach einer Stunde bin ich schon wieder
weiter.
Nach Strand, Urwald, 8000m hohen Bergen folgt nun kaltes Gestein und
Wüste. So karg das Land auch wirkt, es wird von herzlichen, warmen
Menschen bewohnt. Die Gastfreundlichkeit der Pakistani ist absolut
vorbildlich. Kaum passiere ich die Grenze werde ich von einem
ueberholenden Auto gestoppt. „ Du musst heute Nacht bei uns bleiben, du
bist unser Gast“ gibt man mir in gutem Englisch zu verstehen. Leider
kann ich nicht das herzliche Angebot nicht annehmen, da ich heute noch
500 Kilometer fahren sollte.
Sich des Naechtens in Pakistan zu Recht zu finden
ist nicht einfach. Die Beschilderung ist fuer mich nur schwer lesbar und
ich bin recht froh das Magellan GPS dabei zu haben.
Ich komme nur sehr langsam voran. Vor allem die Fahrt an die Grenze zum
Iran ist nicht einfach. 150 Kilometer Gravel ist angesagt. Teilweise
fuehrt die unbefestigte Strasse durch das Gebirge. Weiche Sandpassagen
gilt es zu meistern. Schotter und Gestein liegen auf dem Weg. Jetzt bin
ich richtig froh an den ueber 100 Pferdestaerken der BMW. Durch einige
Weichsandfelder komme ich nur mit kraeftig Power. Aber die hat die BMW
ja zur Genuege, vor allem im unteren Drehzahlbereich. Auf dieser Gravel
Road gibt die Vorderradfelge den Geist auf. Ein Schlagloch war zu tief
oder ein Stein zu gross. Auf jeden Fall hat sie einen Schlag abbekommen
und mein Vorderrad verliert Luft. Der Versuch einen Schlauch
aufzutreiben scheitert. So bleibt mir gar nichts anderes uebrig als ab
und zu einen Reifendienst aufzusuchen um Luft zu tanken, was allerdings
viel Zeit kostet.
Auch die Menschen im Iran, dem naechsten Land der
Reise, bringen mir viel Freundlichkeit entgegen. Touristen sind in dem
Land wichtig. Bereits nach dem Grenzuebertritt werde ich vom Militaer
begleitet und muss im Konvoi fahren. Das Grenzgebiet nach Pakistan ist,
zur Zeit, eine der gefaehrlichsten Regionen der Welt. Terroristen und
Taliban Anhaenger haben sich dort in den Bergen verschanzt und machen
sich einen Mordsspass daraus, Touristen zu entfuehren.
Generell gilt es im Iran aufzupassen! Manche
Menschen koennen dort mit einem „Alien“ nicht viel anfangen. Ich werde
teilweise von bis zu 150 Personen umringt. Menschen die auch immer
lauter werden. Eine Situation in einer kleinen Stadt abseits der
Hauptstrasse laesst mich sogar fluechten. Nur die Polizei bringt etwas
Ruhe in das Geschehnis.
Es wird immer kälter, ich fahre staendig auf 1500-
bis 2500 Hoehenmeter. Da der Tag zu kurz ist nehme ich noch die Nacht
mit dazu. Die Fahrtage enden selten vor Mitternacht. So an die gefühlten
30 Grad minus muss ich und das hervorragende Motorrad dabei wegstecken.
Das Zelt bleibt immer oefters in der wasserdichten Ortlieb Tasche und
weicht einem Zimmer.
Nach dem Grenzuebertritt in die Türkei erwischen
mich dann auch noch Schnee und Eis. Katastrophale Schneefälle, Lawinen
und Erdrutsche machen ein Weiterfahren unmöglich. Durch die Hand unserer
Mutter Natur werde ich nun ausgebremst und kann die Reise nicht wie
geplant am 05.02 beenden. Die von Lastern ausgefahrenen Spuren machen
ein weiterkommen auf der Strasse unmoeglich. Trotz aller Tricks:
stehend, sitzend, die Fuesse am Boden, gelingt es mir nicht die BMW auf
der Fahrbahn zu halten. An die 6-mal „schmeisse“ ich das Motorrad weg.
„Das tut weh“, aber das Gute: dem Motorrad ist dabei nichts passiert.
Die Wunderlich ist hervorragend durch die Hepco Sturzbuegel und Gobi
Koffer geschuetzt.
Da ich sehr viel Zeit mit dem Pumpen des vorderen Rades verlieren
repariere ich die Felge in der kleinen Stadt Batmann auf tuerkische Art.
Mit Hammer und Schweissbrenner.
Die Grenzuebertritte werden immer lockerer. Von der
Tuerkei aus nach Bulgarien reicht sogar der Reisepass, das Carnet bleibt
von nun an in der wasserdichten Ortlieb Tasche.
Nach der Grenze erwischt es mich noch einmal
„schneeweiss“. Es schneit immer mehr und das Fahren wird zu einem
Risiko. Immerhin wiegt die BMW noch an die 400 kg mit mir und Gepaeck.
Das Vorderrad ist entlastet und hat keine Fuehrung mehr auf Schnee und
Eis.
Als die Strasse von einer dichten Schneedecke
ueberzogen ist frage ich an einer Tankstelle nach einem Hotel oder
Zimmer und bekomme als Antwort,“ 6 Kilometer zurueck, 12 Kilometer nach
vorn, oder du kannst bei uns schlafen. „Na klar“, dass ich dieses
Angebot annehme, schliesslich will ich ja etwas ueber Land und Menschen
erfahren. Also bleibe ich zwei Naechte bei meinen neuen Freunden in
Bulgarien.
Die Strassen sind am uebernaechsten Tag wieder sauber und ich gelange
nach Serbien.
Auch dieser Grenzuebertritt ist kein Problem Reisepass zeigen und weiter
fahren.
Heute muss die BMW richtig ran! Fast 1100 Kilometer sind es bis nach
Zagreb, das Ziel der heutigen Reise.
Dort in einem kleinen Dorf wartet bereits ein Freund auf mich. Es kurz
vor Mitternacht als ich dort eintreffe. Das schoene bei einer Reise mit
dem Motorrad ist sehr leicht gute Freunde zu finden.
Ich goenne der BMW einen Tag Pause und dann geht die Fahrt ueber
Slowenien nach Italien.
In den Dolomiten gibt es endlich wieder Kurven. Der Hinterradreifen ist
in der Mitte zwar abgefahren hat aber an der Seite ja noch Profil. „Es
ist an der Zeit das nun zu aendern“. Ueber den Reschenpass fahre ich
nach Oesterreich. Da der Arlbergpass nur mit Ketten zu befahren ist,“
und die habe ich leider ausnahmsweise nicht mit dabei“, muss ich durch
den Tunnel.
Ueber die Schweiz geht es in meine Heimat zum Bodensee. Die Strassen
sind prima befahrbar und meine Gashand spielt mit den 140 km/h und mehr.
Aber die Strafen fuer zu schnelles Fahren in der Schweiz sind gewaltig
also runter auf 120 km/h. In der Schweiz darf auf Autobahnen nur 120 und
auf Landstrassen 80 km/h gefahren werden.
Am 11.02.06 erreiche ich meine Heimatstadt
Konstanz. 46 spannende Tage, 13501 gefahrene Kilometer gepaart mit Meer,
Strand, Wasser, Himmel, Luft, Sand, Wüste, Schnee, Eis machen diese
Reise fuer mich zum ultimativen Erlebnis das nur, vom Sattel eines
Motorrades aus, so Intensiv wahrgenommen werden kann. Ein Motorrad
welches in alle Situationen mich nie im Stich lies, weder Oel noch
Verschleissteile benoetigte.
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